Santuari de Sant Salvador

Die geistliche Krone des südöstlichen Mallorca

Die Leute fragen mich oft, welches die schönste Insel Spaniens ist, und erwarten eine schnelle Antwort über weißen Sand und Beachclubs. Ich bin hoffnungslos voreingenommen, aber Mallorca trägt diesen Titel. Um zu verstehen warum, muss man die Küste hinter sich lassen. Fünf Kilometer südöstlich der Inlandsstadt Felanitx erhebt sich der Puig de Sant Salvador 509 Meter über die landwirtschaftlichen Ebenen. Dies ist ein echtes Bergheiligtum. Es bietet Ihnen ein 360-Grad-Panorama der Insel und tauscht den Umgebungslärm des Küstentourismus gegen Stille in großer Höhe ein.

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„Mallorca-Sant Salvador-Puig de Sant Salvador-04“ von Asurnipal ist lizenziert unter BY-SA. Quelle: Openverse
Die imposante Steinfassade des Santuari de Sant Salvador, die über die südöstlichen Ebenen wacht.

Wenn Sie sich fragen, welcher Teil Mallorcas am schönsten ist, liefert diese südöstliche Ecke ein überzeugendes Argument. Die Landschaft hier fühlt sich geerdet an. Das Heiligtum selbst ist ein massiver Stein complejo (Komplex), der seit Jahrhunderten über dieses ländliche Land wacht. Wenn ich mit meinem Golden Retriever Cala hierher fahre, streckt sie sofort den Kopf aus dem Fenster, um den scharfen, nach Kiefern duftenden Wind einzufangen, der über den Gipfel peitscht.

Eine Zuflucht aus dem 14. Jahrhundert vor dem Schwarzen Tod

Die Ursprünge des Santuari de Sant Salvador sind mit dem Überleben verknüpft. Im Jahr 1948 fegte der Schwarze Tod über das Mittelmeer und verwüstete die lokale Bevölkerung. König Peter IV. von Aragón befahl den Bau einer Kapelle auf diesem Gipfel. Die Logik dahinter war einfach: Höher gelegenes Land bedeutete sauberere Luft und einen Schritt näher am göttlichen Schutz. Die ursprüngliche Struktur war bescheiden, aber mit wachsender Zahl von Pilgern wurde die Kirche erweitert.

Die große Kirche im Barockstil, die Sie heute sehen, stammt aus dem Jahr 1715. Sie wurde über Generationen hinweg als funktionierendes Kloster betrieben. Die letzten Mönche packten erst 1992 ihre Habseligkeiten zusammen und räumten das Gelände. Heute überwachen zwei lokale mallorquinische Familien die Erhaltung der Stätte und sorgen dafür, dass die Höfe und Kapellen für jedermann zugänglich bleiben.

Der Weggang der Mönche hinterließ eine ganz eigene Stille. Man kann hören, wie der Wind durch die Steinbögen pfeift, lange bevor man den Gipfel erreicht.

Der Aufstieg: Haarnadelkurven und Pilgerpfade

Um nach oben zu gelangen, muss man die PMV-4011 befahren – eine schmale, kurvenreiche Serpentinenstraße, die sich durch dichte Pinienwälder schlängelt. Es ist eine schwindelerregende Straße, auf die man sich einfach einstellen muss. Die Strecke ist berühmt bei Radfahrern, die den anstrengenden Anstieg als Ehrenabzeichen betrachten. Wenn Sie mit dem Auto unterwegs sind, fahren Sie langsam und achten Sie auf unübersichtliche Kurven. Sie teilen sich diesen Asphalt mit professionellen Radsportteams ebenso wie mit ambitionierten Amateuren.

Für Autofahrer
Die Fahrt vom Fuß des Berges dauert etwa 15 Minuten. Am Gipfel gibt es reichlich kostenlose Parkplätze. Wenn Sie auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind, um Felanitx zu erreichen, müssen Sie vom Stadtzentrum aus ein Taxi zum Gipfel nehmen, da keine Busse auf den Berg fahren. Mehr über die Navigation im weiteren Inselnetz erfahren Sie in unserem Leitfaden für die öffentlichen Verkehrsmittel auf Mallorca.

Für Wanderer
Nahe dem Fuß des Berges beginnt ein schroffer, 2 Kilometer langer, unbefestigter Pilgerpfad. Der Aufstieg dauert etwa 45 Minuten. In den kühleren Monaten gehe ich diesen Weg mit Cala. Wir machen normalerweise auf halber Strecke eine Pause, um zu verschnaufen, wenn die Steigung steiler wird. Der Pfad ist durch alte Steinkreuze markiert, die Sie direkt zu den Türen des Heiligtums führen.

Denkmäler im Himmel: Cristo Rei und Creu des Picot

Zwei gewaltige Denkmäler prägen den Bergrücken in der Nähe des Klosters. Das erste ist das 1934 errichtete Denkmal Cristo Rei (Christus König). Es ist ein 37 Meter hoher Steinturm, gekrönt von einer massiven Kupferstatue des Christus Pantokrator. Man kann sie schon aus meilenweit Entfernung in der Sonne glitzern sehen.

Nur einen kurzen Spaziergang von den Hauptgebäuden entfernt, auf einem benachbarten Felsvorsprung, befindet sich das Creu des Picot. Dieses monumentale 14 Meter hohe Steinkreuz wurde 1957 erbaut und markiert den Rand eines steilen Abhangs. Wenn man darunter steht, hat man einen freien Blick nach Süden. An klaren Tagen kann man leicht den Nationalpark des Archipels von Cabrera im Mittelmeer und gelegentlich die schwache Umrisse von Menorca im Nordosten erkennen.

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„Mallorca-Sant Salvador-Convent-Inscription-03E“ von Rikki Mitterer ist lizenziert unter BY-SA. Quelle: Openverse
Komplizierte Steininschriften und Details in den historischen Innenhöfen des Klosters.

Innerhalb der Klostermauern

Der Innenhof ist ein schattiger, stimmungsvoller Ort. Er ist zudem die Heimat einer berühmten Kolonie von streunenden Katzen. Sie lassen sich von Besuchern überhaupt nicht aus der Ruhe bringen und verbringen ihre Nachmittage damit, auf den warmen Steinplatten zu schlafen. Einheimische und Touristen bringen ihnen Futter, was sie zu den inoffiziellen Wächtern des Ortes macht.

Wenn man die Kirche betritt, sinkt die Temperatur sofort ab. Die Hauptattraktion hier ist eine hochverehrte Marienstatue aus dem 13. Jahrhundert. Hinter der Hauptbühne beherrscht ein prunkvoller gotischer Hochaltar aus dem 15. Jahrhundert den Raum. Die handwerkliche Arbeit ist beeindruckend, besonders wenn man bedenkt, welch großer Aufwand es vor Jahrhunderten war, solch schwere Steine den Berg hinaufzuschaffen.

Übrigens ist die Akustik in der Barockkirche unglaublich klar. Ein einzelner Schritt hallt bis hinauf zum Gewölbedecke nach.

In einer Mönchszelle schlafen und in den Wolken speisen

Wer das Heiligtum erleben möchte, nachdem die Tagestouristen wieder den Berg hinabgefahren sind, kann ein Zimmer im Petit Hotel Hostatgeria Sant Salvador buchen. Die Betreiber haben die ehemaligen Mönchszellen in rustikale Gästezimmer umgewandelt. Die Gewölbefecken sind erhalten geblieben, und der Blick auf das Meer aus den kleinen Fenstern ist spektakulär. Zwar lädt die Atmosphäre zur spirituellen Ruhe ein, doch sind die Zimmer mit Fernsehern ausgestattet. Je nach Saison liegen die Preise zwischen 80 und 150 Euro pro Nacht.

Für die Übernachtung muss man keine eigenen Rationen einpacken. In den alten Klostergebäuden befindet sich das Restaurant Can Calco 510. Dort werden ausgezeichnete, deftige lokale Gerichte serviert. Wer neugierig darauf ist, wofür die mallorquinische Küche bekannt ist, findet hier eine hervorragende Gelegenheit, arròs brut (eine reichhaltige, gewürzte Fleisch-Reis-Brühe) oder langsam geschmortes Lammfleisch zu bestellen. Mehr über diese Gerichte erfahrt ihr in unserem Guide zu Traditionellen mallorquinischen Speisen.


Praktische Informationen für Ihren Besuch

Die Leute fragen ständig, ob Mallorca günstig oder teuer ist. Das hängt ganz davon ab, wo man seine Zeit verbringt. Während die Strandclubs an der Küste einen Aufpreis verlangen, kostet der Zugang zum tiefen kulturellen Erbe von Sant Salvador absolut gar nichts.

Eintrittspreis Freier Eintritt für das Gelände, die Kirche und die Denkmäler.
Öffnungszeiten des Geländes Rund um die Uhr zugänglich. Sehr zu empfehlen für Fotografie bei Sonnenaufgang oder zur goldenen Stunde.
Öffnungszeiten der Kirche Im Allgemeinen täglich von 9:00 bis 18:00 Uhr geöffnet (im Hochsommer bis 20:00 Uhr verlängert).
Parken Kostenlose Parkplätze stehen in der Nähe des Gipfels zur Verfügung.

Für Fotografiebegeisterte ist das Timing alles. Die goldene Stunde trifft die Kupferstatue von Cristo Rei brillant und lässt das Metall feurig orange erstrahlen. Wenn Sie nach Westen blicken, können Sie an einem Nachbarhügel manchmal die ferne Umrisslinie von Castell de Santueri erkennen.

Während das Heiligtum Ihnen ein tiefes Gefühl für die Geschichte der Insel vermittelt, möchten Sie vielleicht irgendwann die große Höhe gegen den Meeresspiegel eintauschen. Für einen vollständigen Szenenwechsel wechseln viele Besucher von den Bergen aufs Wasser, indem sie eine Katamaran-Kleingruppentour auf Mallorca buchen, bei der sie die zerklüftete Küste betrachten können, auf die sie eben noch vom Gipfel herabgeblickt haben.

Planen Sie Ihren Besuch entsprechend den Jahreszeiten. Der Gipfel ist den Elementen stark ausgesetzt. Im Januar und Februar ist der Windchill-Effekt heftig, während die Nachmittage im August intensive Hitze in die unbeschatteten Steinhöfe bringen. Detaillierte saisonale Tipps finden Sie in unserer Übersicht zur besten Reisezeit für Mallorca.