Sehenswürdigkeiten

Die faszinierenden Kontraste der Insel verstehen

Reisende fragen mich häufig, ob Mallorca und Majorca zwei verschiedene Orte sind: Die kurze Antwort lautet nein. Bei Letzterem handelt es sich lediglich um die traditionelle englische Schreibweise. Vor Ort nennen wir die Insel Mallorca – und sie ist ein Landstrich der extremen landschaftlichen Kontraste. An einem einzigen Tag können Sie am frühen Morgen vor den gotischen Strebepfeilern einer Meereskathedrale stehen und am Nachmittag durch die kühlen Tiefen uralter Tropfsteinhöhlen wandern. Wie viele Tage benötigt man für die Insel? Eine Woche verschafft Ihnen einen hervorragenden Überblick, doch man könnte Wochen hier verbringen und hätte immer noch weite Bergregionen unberührt gelassen.

Dieser Leitfaden strukturiert die Insel übersichtlich nach Regionen und Sehenswürdigkeiten. Wer hier lebt, weiß genau: Die Reisezeit bestimmt maßgeblich das Erlebnis. Der Hochsommer gehört den türkisfarbenen Badebuchten, während das mildere Frühjahr und der Herbst ideal sind für geschichtsträchtige Festungen, Wanderwege und archäologische Stätten.


Die historischen Schätze von Palma de Mallorca

Die balearische Hauptstadt vereint die dichteste Konzentration historischer Architektur des gesamten Archipels. Um das historische Zentrum zu erkunden, benötigen Sie keinen Mietwagen. Wer sich zu Beginn einen entspannten Überblick über die Altstadt verschaffen möchte, kann eine bequeme Fahrt mit der Palma Tuk-Tuk-Panoramatour unternehmen.

La Seu, Kathedrale von Palma de Mallorca
„La Seu, Catedral de Mallorca“ von sukiweb unter Lizenz BY-SA. Quelle: Openverse

Die gotische Kathedrale von Palma, im Volksmund La Seu genannt, thront weithin sichtbar über der Hafenpromenade. Ihre riesige Rosette – eine der größten der Gotik weltweit – taucht das Kirchenschiff an sonnigen Vormittagen in ein spektakuläres Farbenspiel.

Direkt gegenüber liegt der Königspalast La Almudaina, ein maurischer Alcázar, der von den Königen von Aragon umgestaltet wurde und heute als offizielle Residenz des spanischen Königs bei Staatsbesuchen dient. Nur wenige Gehminuten entfernt im charmanten Calatrava-Viertel liegen die maurischen Bäder (Banys Àrabs), ein friedlicher Rückzugsort mit tropischem Garten, sowie das Museo de Mallorca. Hoch über der Bucht wacht das kreisrunde gotische Castell de Bellver.

SehenswürdigkeitRegulärer EintrittBesuchszeiten & Besonderheiten
Kathedrale La Seu€10 (Dachterrasse Aufpreis)Mo-Fr 10:00-17:15, Sa 10:00-14:15. So geschlossen. [Offizielle Webseite]
Castell de Bellver€4 (Sonntags freier Eintritt)Montags geschlossen. 360-Grad-Panoramablick auf die Bucht
Palacio de La Almudaina€7 (Patrimonio Nacional)Saisonal wechselnd; EU-Bürger mi./do. nachmittags teils frei
Maurische Bäder (Banys Àrabs)€3.00Ganzjährig geöffnet, intimer historischer Garten
Preise können saisonal variieren; Tickets für La Seu sollten in der Hauptsaison online reserviert werden.

Das gebirgige Rückgrat: Serra de Tramuntana

Die Serra de Tramuntana erstreckt sich entlang der gesamten Nordwestküste und wurde von der UNESCO als Kulturlandschaft zum Welterbe erklärt. Sie ist ein lebendiges Zeugnis jahrhundertelanger Arbeit mallorquinischer Bauern, die Steilhänge mit Trockensteinmauern (pedra en sec) und ausgeklügelten maurischen Bewässerungssystemen terrassierten.

Serra de Tramuntana, majestätische Berglandschaft auf Mallorca
„Serra de Tramuntana, Mallorca-“ von MARIA ROSA FERRE unter Lizenz BY-SA. Quelle: Openverse

Im Herzen des Gebirges liegt der malerische Stausee Embassament de Cúber am Fuße des Puig Major – ein Paradies für Wanderer. Im Südwesten lädt die weitläufige Finca Pública de Galatzó mit markierten Wegen und Legenden zu Ausflügen ein. Wer sich die anspruchsvollen Serpentinenstraßen sparen möchte, bucht eine VIP-Tagestour nach Valldemossa, Deià und Sóller ohne Parkplatzsorgen.

Höhenklöster und wehrhafte Festungsruinen

Verstreut über die Insel thronen ehrwürdige Klöster und Festungen auf isolierten Bergen. Einst zum Schutz vor Berberpiraten oder als Orte kontemplativer Stille erbaut, eröffnen sie heute die weitesten Weitblicke über das Meer und die Ebene (Es Pla).

Zu den bekanntesten Aussichtspunkten zählen das Santuari de Sant Salvador bei Felanitx und das Santuari de Cura auf dem Berg Randa. An klaren Tagen reicht der Blick von Cura über die gesamte Insel bis zum Cabrera-Archipel. Im Osten bietet die eindrucksvolle Festungsruine Castell de Santueri dramatische Klippenaussichten über den Llevant.

Santuari de Nostra Senyora de Cura, Randa, Mallorca
„Santuari de Nostra Senyora de Cura“ von RM-Kraemer unter Lizenz BY-SA. Quelle: Openverse

Für Wanderbegeisterte ist der Aufstieg zum Castell d’Alaró ein unvergesslicher Klassiker. Die Ruinen auf dem schroffen Felsplateau sind frei zugänglich. Die meisten Besucher parken beim urigen Berggasthof Es Verger und wandern etwa 45 Minuten hinauf. Entlang der Westküste bieten zudem alte Wachtürme wie der Torre del Verger (Mirador de Ses Ànimes) spektakuläre Sonnenuntergänge über dem Meer.

Fahrhinweis: Die Piste hinauf zum Restaurant Es Verger ist schmal und kurvenreich. Bei größeren Mietwagen empfiehlt es sich, bereits im Tal zu parken und den Weg komplett zu Fuß zurückzulegen.

Unterirdische Wunder: Die Tropfsteinhöhlen

Unter der Kalksteinoberfläche verbirgt Mallorca faszinierende Höhlensysteme mit gewaltigen Stalaktiten und Stalagmiten. Weltbekannt sind die Cuevas del Drach (Drachenhöhlen) in Porto Cristo.

Tropfsteinformationen in den Höhlen von Mallorca
„The Cave of Drach features limestone filled with dramatic rock formations“ von gavande1 unter Lizenz CC0. Quelle: Openverse

Der unterirdische Rundgang dauert rund 75 Minuten und gipfelt am unterirdischen Lago Martel, wo Musiker in beleuchteten Booten ein klassisches Mini-Konzert darbieten.

  • Tickets Drachenhöhlen: €18.50 für Erwachsene, €11.50 für Kinder bei Online-Kauf auf der offiziellen Seite [Offizielle Tickets Cuevas del Drach]. An der Tageskasse gelten höhere Preise und lange Wartezeiten.
  • Ruhige Alternativen: Die Cuevas de Génova liegen unmittelbar am Stadtrand von Palma und begeistern mit intimer Höhlenatmosphäre und Popcorn-Felsen. Im Norden bieten die Coves de Campanet ein naturbelassenes Höhlenerlebnis abseits der großen Reisegruppen.

Traumhafte Buchten und wilde Strände

Mallorca zählt mehr als 260 Strände, doch der eigentliche Zauber liegt in den kleinen Felsbuchten (Calas), die von Pinienwäldern und Klippen eingerahmt werden. Im Süden und Osten locken feinsandige Strände mit türkisblauem Wasser; im Norden raue Kieselbuchten vor mächtigen Felswänden.

Felsige Bucht und Bootshäuser in Cala S'Almunia
„View of the mountains in Cala S’Almunia, Mallorca (Spain)“ von Tommie Hansen unter Lizenz BY. Quelle: Openverse

Berühmte Buchten wie Cala s’Almunia und Cala Pi ziehen viele Besucher an; frühes Erscheinen am Vormittag ist Pflicht. Wer absolute Ruhe und unberührte Natur sucht, wandert zur einsamen Platja de Coll Baix bei Alcúdia – belohnt wird man mit kristallklarem Wasser und spektakulären Klippen.

Die Anreise vom Wasser aus per Boot oder Katamaran ist oft die entspannteste Art, Mallorcas Küstenschätze zu erleben. Eine Tagestour zu den schönsten Stränden und Caló des Moro umgeht lästige Parkplatzsperren im Süden vollständig.

Geheimnisvolle Vorgeschichte: Talayot-Stätten

Lange vor den Römern blühte auf den Balearen während der Bronze- und Eisenzeit die talayotische Kultur. Die Ureinwohner errichteten monumentale Megalithbauten (Talayots), befestigte Siedlungen und Heiligtümer, die bis heute erhalten sind. Der Eintritt liegt meist bei geringen 2 € bis 5 €.

Eine der besterhaltenen prähistorischen Dorfanlagen ist das Poblado Talayótico de Capocorb Vell bei Llucmajor mit fünf massiven Türmen. An der Nordostküste liegt die faszinierende Necròpolis de Son Real direkt am Meer, während das Talayot-Dorf Ses Païsses in Artà inmitten eines jahrhundertealten Steineichenwaldes ruht.

Kunst, historische Gärten und Naturparks

Mallorca hat bedeutende Künstler inspiriert. Joan Miró verbrachte hier seine späten Lebensjahrzehnte; die Fundació Pilar i Joan Miró in Cala Major bewahrt seine Ateliers originalgetreu (Eintritt 10 €, Di-Sa geöffnet). Im Norden bei Alcúdia vereint das Museu Sa Bassa Blanca Architektur im maurischen Palaststil von Hassan Fathy, Skulpturenparks und hochkarätige Kunst.

Wer historische Gartenkunst schätzt, besucht die Jardines de Alfabia in Bunyola (Eintritt 10 €), eine Oase aus Wasserspielen, Pergolen und maurisch-barocker Gartenarchitektur. Am westlichsten Zipfel Mallorcas liegt der unbewohnte Naturpark der Dracheninsel Sa Dragonera, erreichbar mit kleinen Booten ab Sant Elm.

Historische Wasserspiele und Pergola in den Jardines de Alfabia
„Jardines de Alfabia auf Mallorca“ von mallorcareise unter Lizenz BY. Quelle: Openverse

Für Vogelbeobachter ist der Parc Natural de S’Albufera bei Alcúdia das bedeutendste Feuchtgebiet der Balearen. Über 300 Vogelarten rasten hier auf ihrer Reise zwischen Europa und Afrika; der Eintritt ist nach Registrierung im Besucherzentrum kostenlos.

Markante Naturdenkmäler der Küste

Zu den meistfotografierten Naturwundern der Insel zählt Es Pontàs, ein monumentales natürliches Felsentor, das sich spektakulär vor Santanyí aus dem Meer erhebt und Kletterern weltweit als berühmte Deep-Water-Soloing-Route gilt. An der Nordwestküste bei Deià begeistert die Halbinsel Sa Foradada mit ihrem markanten Felsloch, das vor allem im Abendlicht ein magisches Panorama bietet.

Naturfelsentor Es Pontas vor der Küste von Santanyi Mallorca
„Mallorca Santanyi Es Pontàs-1893“ von Isiwal unter Lizenz BY-SA. Quelle: Openverse

Praktische Tipps für Ihre Erkundungstouren

Beim Thema Budget passt sich Mallorca flexibel an: Gehobene Gastronomie und Beachclubs in Calvià oder Port d’Andratx haben stolze Preise. Wer authentisch und preiswert speisen möchte, kehrt in den traditionellen Cellers des Landesinneren (Inca, Sineu, Petra) ein. Probieren Sie Spezialitäten wie Tumbet (mediterranes Gemüseauflaufgericht), Sopes mallorquines oder das herzhafte Arròs brut.

Ohne Mietwagen bringt Sie das moderne Bus- und Bahnnetz der TIB zuverlässig von Palma in fast alle Orte. Zahlen Sie im Bus einfach kontaktlos mit Ihrer Bankkarte beim Ein- und Aussteigen, um automatisch vom günstigsten Tarif zu profitieren. Weitere Einzelheiten zur Anreise, Mietwagenregeln und zur Tourismussteuer finden Sie in unserem Ratgeber Praktische Infos Mallorca.

Fazit

Mallorca belohnt Reisende, die sich Zeit nehmen. Versuchen Sie nicht, alle Highlights in wenige Tage zu quetschen. Wählen Sie zwei bis drei Schwerpunkte, genießen Sie die lokale Küche und lassen Sie sich vom entspannten Rhythmus der Insel leiten.